| Lulli und Lalli sagen was über: Das 3-Platten-Phänomen Ich möchte heute mal ein paar Worte verlieren über das nur wenig bekannt aber doch immer wieder massiv auftretende und sich auch von keiner Zeitströmung aufhalten lassende 3-Platten Phänomen. Dieses Phänomen besagt, dass es jede Menge wirklich guter Bands oder Musiker gibt, die es in ihrem Leben beziehungsweise in einer bestimmten musikalischen Formation gerade mal geschafft haben 3 Alben herauszubringen. Wohl bemerkt, ich spreche hier von Original-Alben. Echte von vorne bis hinten im Studio erdachte und in dieser besonderen Zusammenstellung von den Musikern so erwünschte Platten. Nicht irgendwelche dubiosen Veröffentlichungen von so komischen Live/Studio-gemischt-Alben, oder Best ofs oder Post-Bandtrennungs-da-haben-wir-noch-5-Bänder-im-Schrank-gefunden-Platten oder typischen Plattenlabel-Platten, wo mal kurz, wie zum Beispiel bei der "the ego has landed" von Robbie Williams, einfach die Hits von zwei Platten auf eine zusammengeklebt wurden um einen neuen Markt, in diesem Fall den amerikanischen, zu erschließen. Die Suche des Fans bezieht sich natürlich immer auf Songs aber er spart sich eine Menge Dopplungen und Versionskackerei, wenn er sich zuerst auf die Originalalben konzentriert, die zudem noch meistens eine Fülle von echten Hits beinhalten, die keine Sau kennt. Den bekannten Hits-neben-den-Hits, die oft weniger protzig und aufdringlich tiefgreifend in die musikalische Seele daher kommen, sondern über die Zeit sich zu echten - ich möchte fast mal sagen - Freunden entwickeln. Freunde daher, weil sie nicht jeder kennt und so eine gewisse Intimität zwischen Song und einem selbst entsteht. Aber darüber wollte ich jetzt eigentlich gar nicht reden. Das erstaunliche an diesen drei Platten ist, dass sie meistens auch noch erstaunlich konsistent sind. Es ist zwar bei jedem der folgenden Beispiele ein eindeutiger Trend zu erkennen, d.h. man kann eine musikalische Entwicklung nachvollziehen, in welche Richtung auch immer, aber man kann sie auch ohne Probleme hintereinander anhören. Und im Nachhinein kann man sich hinstellen und g'scheid daher reden, dass es ja sowieso abzusehen war, dass danach nix mehr kommt. So viel zur grauen Theorie. Nun wollen wir das Ganze doch mal an ein paar Beispielen erläutern. |
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Ben Folds FiveEiner der bittersten musikalischen Verluste der letzten Jahre war (für mich persönlich) zweifelsohne die Auflösung von Ben Folds Five. Man weiß zwar jetzt was da aus den einzelnen geworden ist. Traurigtragisch für alle die nicht Ben Folds heißen. Vom selbstbetitelten Debut "Ben Folds Five" über den unglaublichen Geniestreich "What ever and ever amen", auf dem faktisch kein Ausfall zu finden ist bis hin zur düster-tiefschönen "Unauthorized Biography of Reinhold Messner" spannt sich ein Bogen von der noch etwas wilden Spaßkombo über eine Band, die einfach alles spielen kann, bis zur Suche nach der wirklichen Tiefe und Weite. Wohlbemerkt, diesen undankbaren Zwischenspaß "Naked Baby Photos" möchte ich übergehen. Der Martin hat mal gesagt, der vorletzte Song auf der Reinhold-Platte "Jane" hört sich an, wie ein Ben Folds-Solo-Stück und damit wäre auch schon fast alles gesagt. Von der unschlagbaren Truppe sind sie über sich selbst hinaus gewachsen um dann in sich selbst zu scheitern. Schnieff. Klar hätten sie noch tausend Jahre lang zusammenbleiben können aber das Leben ist ein Fluß usw. und das war ihnen dann anscheinemd zu langweilig und zudem hat sich Ben Folds von einer Australierin abschleppen lassen. | |
SugarcubesDann wären da die Sugarcubes, die heute keine Sau mehr kennt aber damals waren sie die größten und immerhin das becoming famous und Sprungbrett von Björk. Als man seine Referenzen noch bei "offbeat" auf Tele 5 zog hab ich meinen Wechsel vom LP- ins CD-Zeitalter vollzogen und zwar mit der "Life's too good", anno 88. Das war damals progressiv, dass sie anfangs nur auf CD erschien, vielleicht hatte Rough Trade auch nur einfach nicht genug Kohle. Auf jeden Fall, wie zum Fleiss hab ich mir die Zweite "Here, Today, Tomorrow" auf Vinyl zugelegt. Da wars dann auf einmal wieder hip. Aber nur ganz kurz, weil bei der "Stick around for joy" gabs die Vinyl-Geschichte nicht mehr und taucht auch jetzt gerade mal wieder so aus der Versenkung auf. Auf jeden Fall ist auch hier der Bogen von einem trashigen Debut bis zu einem unglaublich tricky durchproduzierten Letztling gespannt und es war abzusehen, dass sich da nicht mehr viel drüber mach ließ und so lösten sich die Würfel auf, wie im Kaffee und verschwanden in alle Himmelsrichtung. Björk macht die Solo-Zicke und der Schlagzeuger zum Beispiel hat sich als Studiomusiker auf einigen vom Tears-for-Fears-Mastermind Roland Orzabal produzierten Platten verdingt. | |
Nick DrakeDarüber hinaus wäre da der Songmeister Nick Drake. Gleich seine erste Platte hat er "5 leaves left" genannt und wie es das Leben will ist er genau 5 Jahre später an einer Überdosis von Schlafmitteln und Psychopharmaka gestorben. Auf jeden Fall steckt ne Menge Mystik in seinen Platten und er hat wie alle anderen hier genau 3 Original-Platten gemacht. Die schon genannte "5 leaves left", die wunderschöne und mit so bekannten Back-uppern wie dem gerade bei Velvet Underground entfleuchten John Cale eingespielte "Bryeter Layter" und die völlig auf ihn, seine Gitarre und manchmal Einwürfe von spärlichem Klavier bauende "Pink Moon". Aber diese epochal melancholische (man könnt auch manchmal frustige sagen) sagen Platte von 1972 war seine letzte und klingt wie der Abgesang, der sie ja auch ist. |
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Galaxie 500Oder die Ostküsten-Mucker von Galaxie 500. Mit ihrem getragenen, simplen, abgehobenen Liedern haben sie schon so manche ins Off geschickt und nicht mehr zurückgelassen. Bei diesen ist eine ähnliche Vorgehensweise, wie bei Ben Folds Five festzustellen. Während das Debut "Today" noch leicht (wirklich nur leicht) angetrasht war, ist "on fire" de facto der Höhepunkt und das nicht nur wegen der absolut reduzierten Cover-Version des George Harrison-Songs "Isn't it a pity". Auf "This is our music" sind sie dann leider entfleucht und lösten sich z.B. in so epochalen, wie dem Yoko Ono-Cover "Listen, the snow is falling" einfach in Wohlgefallen auf. Eine Steigerung war hier nur noch schwer möglich. Außer vielleicht ein bisserl Wal-Gesang ausm Bostoner Hafen oder so. | |
Mazzy StarSelbes gilt übrigens für Mazzy Star. Offiziell zwar noch nicht aufgelöst aber auf ihrem letzten Werk "Among my swan" schon massiv entfleucht und da die anderen Werke "She hangs brightly" und "So tonight that I might see" jeweils im Abstand von drei Jahren entstanden und zwar 1990, 1993 und 1996 kann man fast davon ausgehen, dass auch diese den Weg der anderen genommen haben und sich verdünnisiert haben. | |
NirvanaDie Verwischungstaktik auf höchstem Level haben jedoch die Jungs von und um Nirvana betrieben. Denn wirkliche echte Studioplatten gibt es genau drei Stück: "Bleach", "Nevermind" und "In Utero". "Incestide" zum Beispiel ist nicht recht viel mehr als der Lückenfüller nach der Nevermind und besteht aus irgendwelchen schmierigen Cassetten, die sie noch beim Aufräumen im Kabelsalat hinter dem Aufnahmegerät gefunden haben oder "Unplugged", die zugegebenermaßen eine nette Platte ist, schon allein aufgrund der kongenialen Kooperation mit den Jungs von den Meat Puppets. Außerdem hatte der Kurti da so ein schönes Strickjackerl an und man sahs ihm ja eigentlich schon an, dass es ihm nicht besonders gut geht und dann singt der doch tatsächlich "I swear I don't have a gun", der Schelm. Da hat er doch gelogen. Vielleicht hat er ja dann wann anders auch gelogen....? Wir wollens nicht annehmen. Wobei er ja auch einen Verzerrer benutzt hat. Zwar mit der akustischen Gitarre aber bei einem unplugged ist das ja auch so ein bisserl gelogen. Naja, egal. Der Kurti war auf jeden Fall der Größte und leider auch die einzige Verkörperung von Grunge. Vielleicht noch King Buzzo aber die beiden waren ja sowieso Schwestern. Apropos Schwestern: Schwester Courtney Love hat gerade gerichtlich verhindert, dass die Abzocker Novoselic (keine Ahnung wo der gerade die Schalmei bedient) und Grohl (der hätte lieber Schlagzeuger bleiben sollen, das konnte er nämlich) noch mal im Kabelsalat graben und wild B- und C-Seiten veröffentlichen. Das war die Info von vor drei, vier Jahren. Mittlerweile gibts den Brocken. Hat sie wohl Geld gebraucht. Über die Platten muss ich ja nicht viel sagen. Der Aufbau ist da völlig analog anderen Bands, wie Ben Folds Five oder Sugarcubes, nur das Ende war bitterer. Viel bitterer. | |
House of PainJump around, Jump around, Jump around. Drei mal und schluss. Die erste (House of Pain) kennt noch jeder. Wo gabs denn das auch bitte, weiße Hiphoppels?! Mit fetten Alkoholikerlyriks. Die zweite (Same as it ever was) ist dann schon eher unbekannt. Was ihr nicht gerecht wird. Die dritte kennt keine Sau. Ich auch nicht. Wobei man sich erzählt, dass es ja mit Abstand die Beste sein soll. Was man aber leider oft über Sachen sagt, die keine Sau kennt. Dann wollte der Everlast auch nicht mehr und hat lieber Solo-Alben aufgenommen. Der DJ Lethal hat bei Limp Bizkit angeheuert und der Dritte, Danny Boy ist om Off verschwunden. | |
Paw1993 waren wir am Bizarre auf der Loreley, wo uns die Spacken statt den Chillie Peppers doch original New Order kurzfristig vor die Nase gesetzt haben. Also das war ja der Skandal des Jahrtausends. Aber darum gehts ja jetzt nicht. Auf jeden Fall hat uns da jemand so ein Promo-Tape mit drei Songs drauf in die Hand gedrückt. Da war ein Song von Monster Magnet (alter Hut, kannte ja wohl jeder), einer von Paw und ner dritten Band drauf, die mir gerade entfallen ist. Folglich kanns nicht so wichtig gewesen sein. Die haben wir uns dann im BMW vom Papa ungefahr 2.783 mal gegeben. Wir haben es sogar geschafft Paw in (super)lokalen Fanzines auf den ersten Platz des Jahrespolls zu heben (mit unseren zwei Stimmen, so lokal war das Fanzine!). Die zwei Platten haben wir uns auch gekauft. Von ner dritten hab ich erst vor kurzem erfahren. Die ist anscheinend auch nur Import aus Kentucky erhältlich. Drum... phh.... Aber was ich eigentlich sagen will: 3 PLatten. Tragisch, groß, bedeutend und wahr. | |
Rage against the machineAlso die Jungs von Rage against the machine... Die waren ja mal ziemlich einig gegen das Unbill dieser Welt. Dann waren sie nur noch gegen das Unbill der Welt aber nicht mehr einig. Zumindest der Zack hat sich aus dem Staub gemacht. Oder er wurde in den Staub gesetzt. Wer weiß das schon so genau. Bevor sie sich in die Rastahaare kamen haben die Herren zusammen drei Platten gemacht. Veröffentlicht haben sie zwar fünf (oder sechs?) aber "Live & rare" ist ja wie der Name schon gesagt eine dieser typschen Wir-kramen-hinter-dem-Schrank-Platten und "Renegades" sind Coversongs. Und sonst nüscht. Also so richtig zustande gebracht haben die Herren genau 3 Platten. Dass der Zack jetzt gar nicht mehr Zack macht und vielleicht eine PLatte mit DJ Shadow aufgenommen hat, vielleicht auch Farmer unterstützt. Irgendwie verloren. Und dass dem traurigen Rest nichts besseres einfällt als sich Chris Cornell zu holen. Einen der melodiösesten Sänger der frühen 90er. Um dann Audioslave zu machen. ALso ich geb ihnen drei Platten. Dann muss Schluss sein! | |
| Worans genau liegt, man kann es schlecht sagen. Irgendwie ist es so eine Mischung aus meditativer Rhythmisierung und phänomenalen Abkacken oder das glückliche Erreichen eines Punktes, vielleicht etwas, das man im Leben wirklich abschließen kann. Ungeahnte philosophische Tiefen tun sich da auf. Aber vielleicht sind sich die jeweiligen Bandmitglieder auch einfach im Laufe der Zeit so dermaßen auf den Senkel gegangen, dass sie sich irgendwann nicht mehr riechen konnten. Oder die Plattenfirmen hatten einfach einen zu kurzen Atem oder tun das was sie auch gerne machen: abkacken. Die wahren Gründe lassen sich hier nur unbefriedigend erschließen und es muss wohl an der Magie der Zahl drei liegen, wie schon De La Soul meinten, die übrigens mehr als 3 Platten gemacht haben aber es vielleicht besser hätten sein lassen: "3, that's the magic number". | |
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